Laufen im Schnee

Trainiert man das ganze Jahr, stellt sich die Fragen, wo die Grenzen liegen. Das Radfahren ist recht natürlich durch den Straßenbelag bestimmt, es sei denn man fährt Mountainbike. Beim Laufen hört man verschiedenes. Der eine sagt, dass es bei 3°, danach schmerzen die Lungen. Der andere ist bis -15° unterwegs, allerdings nur, wenn der Untergrund fest ist. Bei Schnee soll man nur rutschen habe ich gehört.
Einerseits mögen die Grenzen bei jeder Person verschieden sein, aber mit der richtigen Vorbereitung und Ausstattung ist einiges möglich. Da wir eben zu zweit unterwegs waren, ist es also nicht nur eine subjektive Sicht der Dinge. Ich trainiere jetzt schon einige Jahre auch im Winter (mal mehr und mal weniger). Meist, weil der Silvesterlauf in Aachen in Kürze bevor steht. Bei den Temperaturen ging es auch schon einmal unter 0° und auch der Untergrund war nicht immer fest. Heute stellte uns das Wetter eine besondere Herausforderung. Knapp um -10° mit seit zwei Tagen verschneiten Wegen und viel Schnee von oben, war nicht klar, ob es eine gute Idee ist zu trainieren. Der Schnee von oben kam mir eher gelegen, da ich weiß, dass frischer Schnee recht griffig ist. Festgetretener Schnee der letzten Tage ist da eher schlechter zu laufen, da sich meist eine recht rutschige Schicht bildet. Die Temperatur war mir im Training auch unbekannt, aber ich glaube -6° habe ich auch schon mal überstanden. Bei der Kleidung trägt man hier wesentlich dicker auf, wobei man als Michelin-Männchen auch keinen Bewegungsspielraum mehr hätte.
Meine Kleidungswahl viel aus wie folgt:

  • Langes hautenges Shirt (Nike seamless)
  • Kurzes hautenges Shirt (Nike seamless)
  • Softshell Jacke
  • Mittellange Tight
  • Jogginghose
  • Laufsocken die etwas dicker sind
  • Buff Tuch für den Hals
  • Buff Tuch für Kopf und Ohren
  • Handschuhe
  • Normale Laufschuhe

Draußen an der Luft ging das Atmen erstaunlich gut. Hier hatte ich mehr Probleme erwartet. Der Untergrund war zwar griffig, allerdings verliert man schon recht viel Energie, da das Abstoßen nicht so gut geht. Die Wege im Park waren zwar vom Schnee etwas höher bedeckt, aber in Köln dann auch nicht mehr als 5cm tief. Glatt war es eigentlich nur bei Übergängen an Straßen. Der Wind wehte zwar mächtig um die Nasenspitze, war aber auch zu ertragen, obwohl der Schnee dazu schon mehr etwas für Unerfrohrene ist. Eine gute Portion Creme für Gesicht und Lippen schützt dabei die Haut recht gut.
Bei dem Wetter sollte man nicht unbedingt für Intervalltrainings oder Hochgeschwindigkeitssprints vor die Tür gehen, aber ein normales Training ist gut möglich. Die Waden werden entsprechend trainiert, da sie auf dem Untergrund mehr Arbeit verrichten müssen. Ich denke der Trainingseffekt ist nicht riesig, sollte aber helfen die Witterungsbedingungen ohne Leistungseinbruch zu überstehen.
Die Sicherheit sollte bei dem Wetter nicht vergessen werden. Ich habe beim Laufen immer Geld dabei, um notfalls Verpflegung oder ein Taxi bezahlen zu können. Zu leicht kann man sich verletzen oder außer Kraft sein. Irgendetwas über seine Person ist auch nicht schlecht bei sich zu tragen. Sollte es einmal zum Worst Case kommen, wissen die Rettungskräfte wenigstens, wer da gerade im Rettungswagen davongefahren wird. In der Stadt noch recht unkritisch, sollte man in wenig besuchten Gegenden ein Handy mitnehmen. Bei Pearl findet sich ein Handy im Kreditkartenformat für unter 20€, was bestückt mit einer PrePaid-Karte viel Sicherheit zum kleinen Preis bietet.
Zwei Jahre ist es her, dass ich in einer unbekannten Gegend joggen war. Bekleidet mit langem Nike Seamless und einem normalen Shirt ging es bei 2° nach draußen. Die Pfade für Walker waren ausgeschildert und klangen mit 8km nach einer schönen Strecke. Unwissend zog mich die Strecke in die Weinberge, ohne oben gut ausgeschildert zu sein. Oben am Berg verließ mich dann auch die Koordination, Kraft und Hoffnung den kompletten Weg zu absolvieren. Was tun? Die Kälte steigt auf, niemand in der Nähe und vermutlich 4km vom wärmenden Haus entfernt. Wie schön wäre es gewesen zur nächsten Straße zu gehen, jemanden anzurufen und abgeholt zu werden. Nicht auszudenken, wenn ich mich da oben verletzt hätte. Nach einem weiteren Kilometer traf ich wieder auf Personen, die mir wieder die Richtung vorgaben. Auf einer Landstraße ohne Fußgängerweg schlug ich mich dann die letzten Kilometer zwischen Feldern in Richtung des Ortes. Eine Lektion fürs Leben. Deswegen: nicht leichtsinnig bei dem Wetter über Grenzen gehen, sondern unter dem Limit bleiben und auch für die notwendige Sicherheit sorgen.

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