Blogbeitrag

22 Mai 2011

Triathlon in Aachen

Geschrieben von um 20:56 Uhr


Im Winter fängt die Saison an. Zumindest die Saisonplanung. Wer erst im Frühjahr schaut, findet oft schon volle Startlisten vor. Somit war ich früh dran mit meiner Anmeldung in Aachen. Da im Schwimmbad Aachen Brand geschwommen wird, muss man keine große Rücksicht auf Außentemperaturen nehmen und kann den Triathlon früh in die Saison legen.

Ein idealer Formtest also. Dieses Jahr habe ich einen Schwerpunkt auf das Radtraining gelegt und wollte mal sehen, wie sich die Zeit vom letzten Jahr denn verändern würde. Die Wettervorhersage war schon Anfang der Woche für diesen einzigen Tag nicht ideal. Regen war möglich. So sollte es dann auch kommen. Von der Fahrt in Köln aus, schoben sich Wolken in diversen Grautönen immer häufiger vor die Sonne. In Aachen Brand angekommen, war es dann sonnig. Allerdings nur so lange, bis ich die Anmeldeunterlagen in der Hand hatte und mein Rad gerade in die Halterung gepackt hatte. Mein Handtuch auf der Wiese war schon nass, bevor ich den Wechselplatz verlassen konnte. Noch mal schnell einprägen, wo das Rad stand. Diesmal eigentlich ganz gut in zweiter Position zum Gang. Somit war viel Platz für die Wechsel vorhanden. Sehr schön.

Dank starkem Regenguss erst mal schnell unter ein Zelt und dann noch ein Stück Kuchen für mehr Energie. Kurz noch mal die Wechsel im Kopf durchgehen und dann war die Zeit auch schon reif, um sich in den Triathlon-Einteiler zu zwängen.

Wenn man irgendwo erneut startet, ist vieles einfacher. Man kennt sich aus, weiß wie der Veranstalter tickt. Also 20min vorher die Startnummer auf den Arm pinseln lassen und dann einen Blick auf die Starter werfen, die gerade schon ihre chaotische Bahnen im Schwimmbad ziehen. 6-7 Personen auf einer Bahn heißt: kurz abstimmen wer laut Zeit am schnellsten ist. Danach alles vergessen und am besten mit 5 Personen parallel auf die Wende zuschwimmen. Kann nicht gut gehen, aber so weit scheinen viele nicht zu denken. Highlight war das Überholmanöver nicht in der Mitte, sondern links an der Leine vor dem Wechsel. Konnte nicht gut gehen, war es dann auch nicht, vorauf ein zweiter Schlagabtausch auf den nächsten 10m statt fand.

Wettkampfbesprechung und dann in Richtung Wasser auf Bahn 4. Kurz die Zeiten verglichen und fast alle waren im letzten Jahr gestartet. Meine Zeit war die schlechteste, also würden die anderen davon ziehen. Allerdings hoffe ich besser als im letzten Jahr zu sein und mich an ein paar Beine in den Wasserschatten zu hängen und Kraft zu sparen. Besser als selber das Tempo vorzugeben, wobei ich im letzten Jahr viel Kraft gelassen hatte. Noch 5 sek, 3sek, 1sek und los gehts. Ich stoße mich ab und bin ganz links, weiter links als mir lieb ist. Die anderen nicht so viel schneller, als das sie davon ziehen würden. Um nicht eben beschriebene Chaos zu verursachen nehme ich am Ende der Bahn Tempo raus und hänge mich hinten dran. Immer noch hat sich das Tempo nicht sortiert und ich muss wieder abbremsen, um vernünftig wechseln zu können. Allerdings nicht sehr tragisch, denn ich suche eigentlich einen ruhigen Wasserschatten. Beim Abstoßen löst sich die Schwimmbrille und mein linkes Auge wird für die nächsten 18 Bahnen vom Chlorwasser umspült. Das Tempo hat sich sortiert und ich bin zwar auf letzter Position, kann aber ein gutes Tempo schwimmen, ohne richtig hart zu kämpfen. Das zahlte sich aus und bei Bahn 15 von 20 lief es immer noch gut. Der Schwimmer vor mir schien langsamer zu werden, dann ich schlage immer öfter an seine Füße. Vorbei ziehen ist aber nicht so einfach. Erstens wehren sich die meisten und ziehen noch mal an, zweitens “steht man dann voll im Wasser” und kann den Wasserschatten nicht mehr nutzen, weswegen man plötzlich oft gar nicht schneller ist. Noch drei Bahnen und der Schwimmer verliert an Tempo. Also jetzt oder nie und ich ziehe dann doch noch vorbei. Ende und irgendwie über die Beckenkante rollen, Schwimmbrille runter reißen und die farbige Badekappe auf der Bahn lassen.

Jetzt die Gedanken bei einem Puls von fast 180 sortieren, an einigen Gymnastikmatten vorbei aus der Schwimmhalle laufen und auf der Wiese die Orientierung nicht verlieren. Da ist das Rad. Jetzt das eingeübte Programm abspielen. Beine über das Startnummernband und hoch damit. Beide Hände greifen die Schnallen vom Helm und setzen ihn auf. Jetzt die Sonnenbrille aus dem “Helmdach” ziehen und vor die Augen bringen. Fahrrad greifen und los gehts. Beim Laufen ein Druck auf den Startknopf des Garmin GPS Wunders und am Sattel schiebend ab zur Aufsteigelinie. Gestern habe ich eine Stunde lang das Aufspringen auf das Rad mit angebauten Schuhen geübt. Spart eine Menge Zeit (wenn es klappt), da man die Schuhe nicht am Platz anzieht, mit den Pedalplatten über Asphalt eiert und dann am Start Klickpedale suchen muss. Eigentlich sind die Pedale festgebunden und sollten beim ersten Antritt reißen. Leider hat meine Konstruktion nicht gehalten und die Schuhe hängen am Boden.

Startlinie, griff an Lenker und Sattel und hoch mit dem Rest. Schön auf dem Oberschenkel gelandet und jetzt nur noch die Schuhe in die richtige Stellung bringen, um barfuß lostreten zu können. Leider etwas fummelig und ich brauche drei Versuche, bis ich im Rollen mit beiden Füßen auf den Schuhen stehe. Jetzt aber lostreten. Mit etwas Tempo fädele ich erst den linken Fuß und dann den rechten Fuß. Weiter treten und dann mit der Hand das Klettband an beiden Schuhen zuziehen. Alles sitzt, also auf zur Jagd.

Sagen wir mal so: es läuft. Fühlt sich gut an und der Druck auf dem Pedal ist gut. Die ersten Fahrer sind überholt und ich hänge am ersten “Anstieg”. Nicht vergleichbar mit Anstiegen im Schwarzwald Trainingslager, aber mit Gegenwind immer noch etwas um den Puls wieder in den roten Bereich zu bringen. Windschattenfreigabe gibt es keine, also schön im weiten Bogen um die Überholten fahren. Selber werde ich auf der Radstrecke nur vom einem Starter überholt. Da ist dann aber auch nichts zu machen. Der war richtig stark und schnell weg. Die Strecke ist größtenteils vom Verkehr geräumt und viele Helfer sorgen dafür, dass dies an den kritischen Stellen auch so bleibt. Leider sind dann Anlieger trotzdem manchmal zwischen den Radfahrern. Gerade an der kritischen Stelle habe ich ein Auto vor mir, welches in die gesperrte Straße einbiegen will und stark abbremst. Leider muss ich am Wagen vorbei. Ich sehe die Helfer auf das Auto zustürzen und es mit Fahnen wild wedelnd zum Weiterfahren bewegt. Zwar musste ich leicht abbremsen, bin aber froh, dass sich die Situation geklärt hat. Es sind drei Runden zu fahren und beim Start in die runden geht es durch einen Kreisverkehr, der im Gegensatz zum Rest der Strecke mal keine Abfahrt oder Auffahrt ist, also sich auf dem Auflieger mit 40km/h schön fahren lässt. Macht natürlich Spaß an den meisten Zuschauern mit richtig Tempo vorbei zu düsen. Dabei durfte ich dann auch jedes Mal mit einem Lächeln meine Freundin am Straßenrand erblicken. Diese ist zwar dieses Jahr nicht so nass geworden, wie im letzten Jahr. Durfte aber trotzdem Taschen-, Schlüssel und Kameraträger spielen, was immer verdammt hilfreich ist.

Dritte Runde am Ende und gleich wieder raus aus den Schuhen. Klettverschluss auf und mit einem Griff an die Ferse den ersten Schuh abstreifen. Jetzt wieder den Schuh in Position bringen und barfuß oben drauf. Noch auf der anderen Seite und jetzt nur noch warten, bis die Haltelinie kommt. Da ist sie schon und fast schon zu schnell bremse ich runter, hebe das eine Bein über den Lenker und verfalle ins Laufen. Hui geht das fix, warum habe ich das immer nur so kompliziert mit Schuh am Fuß gemacht.

Leider brauche ich in meinen Schuhen Socken, um mir keine Blutblasen zu laufen (ja, schon ausprobiert). Somit Rad in den Ständer, Helm ab, Brille ab, Po auf den Boden und aus der Plastiktüte (wegen Regen) die Schuhe mit Socken raus. Rein in beides und endlich kann es los gehen. Hier muss ich dringend noch mal dran arbeiten, da es echt Zeit frisst. Ein Läufer ist vor mir und ich schließe bei einem 4,30min/Kilometer Schnitt schnell auf ihn auf. Es geht quer durch ein Wohngebiet und da ist es wieder. Ein ziehen in der rechten Seite. Mist, Tempo etwas raus und kämpfen. Blöde fünf Kilometer, die plötzlich wie eine Wand vor einem stehen. Langsamer weiter und hoffen, dass es besser wird. Zum Glück werde ich nicht zurück überholt, das zeigt mir, dass ich zumindest nicht richtig langsam geworden bin. Vermutlich um die 5min/km, aber ich will es gar nicht wissen. Ein Kilometer weiter und es geht langsam wieder. Dann geht es aber eine richtige Rampe rauf, die mir oben erst mal wieder die Luft nimmt. Ich laufe, aber richtig fix ist es nicht. Egal, laufen und dran bleiben. Leider gibt es keinen Läufer der mir als Orientierung dient. Zwei Runden der Halde hinter mir und zurück zum Ziel. Ich habe mein Tempo gefunden, höre aber Läufer von hinten näher kommen. Umdrehen gilt nicht und auflaufen lassen auch nicht. Der Blick auf die Uhr sagt 4,3km. Somit Leinen los und volles Tempo, koste es was es wolle. Die Puste ist ab da egal. Leider zieht es sich doch noch etwas (die Garmin zeigt am Ende 5,2km), aber ich bin mir sicher, dass es sich aus geht. Volles Tempo, eine jubelnde Freundin und endlich die Ziellinie.

Nach einer Minute durchatmen geht es mir wieder gut. Zitronentee, Melone und später eine schöne Dusche.

Spaß hat es gemacht und ganz so hart wie letztes Jahr war es auch nicht. Ist eben Sprintdistanz, also volles Tempo über dem Wohlfühlbereich.

Ergebnis:

  • Platz 56 von 211 (letztes Jahr 73 von 205)
  • 1:17:05h (letztes Jahr 1:20:04h)
  • Platz Alterklasse (AK30): 5 (letztes Jahr AK25: 16)
  • weniger Regen
  • viel Spaß
  • guter Start in die Saison

Danke allen Helfern, die trotzdem Regenschauern für einen tollen Wettkampf gesorgt haben.

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