Nach dem nassen und kalten Trainingslager stand der erste Triathlon des Jahres in Aachen Brand auf dem Programm. Als ich am Mittwoch die Wettervorhersage gelesen hatte, wurde mir bewusst, dass der Triathlon Wort wörtlich ins Wasser fallen könnte.
Der Sonntag rückte näher und die Vorhersage änderte sich nicht. Regen den ganzen Tag hindurch war angesagt. Meist ist es besser als man denkt, so aber nicht an diesem Tag.
Bereits beim Auspacken des Rads und der sonstigen Utensilien wurden wir von so starken Schauern überrascht, dass wir uns kurzerhand ins Auto zurück zogen und mein neues Triathlonrad, welches noch nie Regen gesehen hat, in diesem zurückließen.
Der Parkplatz war zudem etwas weit vom Start entfernt, was auch organisatorisch das einzige Manko war. Ansonsten merkte man, dass man es mit erfahrenen Organisatoren zu tun hatte.
Die Unterlagen abgeholt und dann erst mal viiiiiel Zeit um einzuchecken und sich die genauen Gegebenheiten anzuschauen. Seine Sachen vernünftig am Rad ausbreiten war leider nicht, da diese doch zumindest etwas trocken sein sollten. Somit verweilten diese in Plastiktüten, da mir noch so eine tolle Box fehlt.
Die Uhr tickte weiter und mein Start rückte näher. Heute waren die Distanzen 500m Schwimmen, 22km Radfahren und 5,5km Laufen zurückzulegen. Schwimmen sollte meine schwächste Disziplin sein, wobei ich dort über den Winter größere Fortschritte gemacht habe und eigentlich locker unter die 10min schwimmen wollte.
Das Hallenbad in Aachen Brand erschien auf den ersten Blick mit seinen 25m recht klein. Allerdings hatte es den Vorteil Umkleidekabinen und beste Duschen zu haben.
Nach der Wettkampfbesprechung ging es ins Wasser, wo wir uns mit 6 Leuten eine Bahn teilten. Nachdem keiner so recht mit der Sprache raus wollte, fragte ich in die Runde, wer wie schnell wäre. Nach der ersten Ansage von 9min und anderen Aussagen von 10min war die Bahn schnell für den Start sortiert. Lange einschwimmen war nicht möglich, da ein langsamer Schwimmer der Vorgruppe nur wenige Minuten bis zum Start lies. Somit höre ich schon nach kurzer Zeit noch 20sek, 10sek, 5sek und der erste Schwimmer zieht weg und ich als zweiter hinterher. Ok, seine Zeitangabe von 8min war nicht verkehrt und ich konnte keine halbe Bahn an ihm dranbleiben. Somit hing ich jetzt ohne Wasserschatten vor allen anderen, die aber zumindest so viel Abstand hatten, das es beim Wechsel nicht eng wurde. Ein Schwimmen ohne Kampf gegen die anderen, denn beim Start vorher sah es auf anderen Bahnen zuvor recht übel aus. Die ersten Bahnen gingen gut, aber meine Zählung hatte ich recht schnell verloren. Somit wusste ich nicht genau, wie weit es noch war und merkte, wie die Kräfte schwinden und mein Schwimmstil mehr Kampf als elegantes Gleiten war. Ich wurde überholt, war aber so mit mir selber beschäftigt, dass ich den Wasserschatten leider nicht gehalten habe. Dieser spart mal locker 30% und hätte mich schön über die restlichen Bahnen tragen können. Verpasst und somit weiter kämpfen und sich wundern, warum ich schon so erschöpft bin, aber immer noch keiner die letzten Bahnen anzeigt. Dann war es soweit und ich musste mich über den Beckenrand hinaus dem Wasser kämpfen. Hier wären helfende Hände wirklich super gewesen, allerdings gab es die nicht. Schnell noch die Badekappe abziehen und zuwerfen und schon über die Matten nach draußen rennen.
Noch etwas beduselt komme ich nach draußen und nehme von dem kalten Wetter wenig wahr. Wo war jetzt noch mal die Reihe? Leider gab es auf der Wiese wenig Orientierungsmöglichkeiten, aber da ich nicht der erste war, standen in meiner Reihe schon ein paar Teilnehmer beim Wechsel in die Radschuhe. Dank Einteiler musste ich mich nur um Helm, Startnummer und Schuhe kümmern, die ich aus der Plastiktüte kramte. Kurz noch die Füße am Handtuch abgewischt und in die Schuhe gezwängt. Rad geschnappt und über die Wiese rennen. Die Bordsteinkante problemlos genommen waren es noch 15m zur Startlinie. Dort hatte ich mir vorgenommen in Ruhe in die Pedale zu springen, was auch gut klappte. Jetzt auf die unbekannte Radstrecke, die ich nur teilweise von einem Youtube-Video kannte. Irgendetwas um die 7km, die in drei Runden zu bezwingen waren. Leider kein flacher Kurs, auf dem man mit dem Rad in tiefer Position den Asphalt betrachtet, sondern sehr wellig und kurvig. Mein Puls raste nach dem Wechsel dermaßen, dass ich erst einmal in Oberlenkerhaltung zum Luftholen blieb. Die ersten Attacken konnte ich abwehren und hatte nur eine Überholung, die aber dauerhaft im Blick bleiben sollte. Ansonsten machte ich schon die ersten Plätze gut, wobei ich keinerlei Tacho dabei hatte, was das Tempo schwer einschätzbar machte. Schnell war es, aber die ersten Anstiege und Gegenwind drückten den Schnitt mehr als deutlich.
Die Runden gingen schnell vorbei und waren wesentlich weniger anstrengend als das Schwimmen. Ich wollte etwas aufpassen, dass ich nicht zu sehr überziehe, da noch das Laufen folgen sollte.
In der zweiten Runde parierte ich einen Angriff und konnte wieder wesentlich Boden gewinnen, als es den Berg hinauf ging. Ein heftiger Wind mit Regen peitschte ins Gesicht und an einen guten Schnitt war nicht mehr zu denken. Da alle unter den gleichen Umständen litten, hatte ich den ersten Überholer beim Wechsel zum Laufen direkt vor mir. Eigentlich meine stärkste Disziplin, wollte ich es auf den 5km so richtig fliegen lassen. Vorgewarnt vom Veranstalter ging es zweimal eine stärkere Steigung hinauf, die aber nicht das Problem sein sollte. Stattdessen fühlte sich der Magen komisch an. So als ob das Startband drückt oder der Anzug zu eng wäre. War er aber nicht, da beim Koppeltraining alles problemlos auf Rad und Laufstrecke war. So kam nach der Orientierung nach dem Wechsel ein ungutes Gefühl auf, was mich nicht in mein Renntempo kommen lies. Eigentlich wollte ich ein ähnliches Tempo wie beim letzten 10km Lauf anschlagen, wo ich niedrige 4er Zeiten gelaufen bin. Da es nur 5km sind und die Belastung vorher eine andere war, erhoffte ich mir hier noch ein paar Plätze gut zu machen. Ich war nicht super langsam, da ich vom Marathon gewohnt bin auch mal schlechte Phasen zu überlaufen, aber ein leichtfüßiger Laufstil sieht anders aus. Die Wege waren von großen und tiefen Pfützen übersät, sodass meine Schuhe innerhalb kürzester Zeit vollkommen durchnässt waren. Zumindest hatten sie den Laufstart in der Plastiktüte trocken überstanden.
Nach ca. 2km kam die Steigung auf mich zu und ich war kurz vorher noch überholt wurden. Dank des Bergtrainings konnte ich hier locker vorbei ziehen, kämpfe aber oben schon mit der Luft. Ähnlich steil wie es rauf ging, sollte es ein paarhundert Meter auch wieder runter gehen. Das liegt mir normalerweise, da man dort die Beine so richtig fliegen lassen kann. Aber nicht an diesem Tag. Mitten im Abstieg kam plötzlich ein Seitenstechen hinzu. Also auf die Atmung achten und weiterlaufen. Kaum war das Seitenstechen weg, kam auch schon die nächste Runde mit dem Anstieg. Natürlich hatte mich der Läufer zuvor wieder überholt und das Spiel konnte erneut beginnen. Diesmal musste ich mein Tempo aufgrund der Probleme aber drastisch reduzieren. Oben wurde ich wesentlich früher wieder eingeholt und versuchte zumindest dran zu bleiben. Dies gelang mir zum Glück auch und der Abstand blieb unter 50m. Jetzt noch zurück ins Ziel und rund lief es immer noch nicht. Zumindest trieb mich der Ehrgeiz vorwärts den Läufer vor dem Ziel noch zu stellen. Noch 1km und es lag noch ein Stück zwischen uns. Also näher kämpfen und in einen Sprint übergehen. Etwas spät bemerkte er, dass ich von hinten anflog, zog dann aber auch in den vollen Zielsprint. Eigentlich vollkommen unsinnig, da man nicht mehr so viel Kraft haben sollte, aber davon war bei mir noch genug vorhanden. Auf den letzten Metern zog ich noch vorbei und wir klatschten uns im Zielbereich ab.
Wieder einmal hat mich das Laufen unglaublich geschafft. Das war schon in Köln so und ich würde gerne wissen, wie ich die Situation im Training besser angehen kann. Vielleicht längere Radfahrten vor dem Wechsel zum Laufen.
Das Fazit fällt gemischt aus. Ich hätte gehofft wesentlich mehr Tempo zu fühlen und auf der kurzen Distanz weniger Kampf zu haben. Als Vorbereitung für den 3-4x so langen Bonn Triathlon bleibt zumindest die Stimme im Hinterkopf nicht zu früh zu viel Tempo zu machen. Der Respekt vor der längeren Distanz ist auf jeden Fall präsenter denn je und die Zeit nicht mehr wirklich lang.
Zeitlich bin ich im Rahmen. Mit einer Schwimmzeit von 9:39min bin ich in dem Bereich geschwommen, den ich mir vorgenommen hatte. Leider nicht schneller, aber dafür lief es auch nicht sauber genug. Da ich die Zeiten schon im Training hingelegt habe, konnte ich mich hier im Wettkampf nicht weiter steigern. Zumindest kann ich damit locker im Mittelfeld mithalten und muss mich nicht im Kreis der Brustschwimmer wiederfinden.
Die Radzeit war mit 46:45min schwer einschätzbar. Viel mehr war hier nicht drin, aber auf der Strecke konnte man auch keinen Rhythmus finden. Hoch reinhauen und runter auf nasser Straße nicht zu viel riskieren. Die geraden Passagen fühlten sich dagegen gut an.
Die Laufzeit war mit 23:51min nicht in meinem anvisierten Bereich. Hier ist viel Zeit liegen geblieben. Aber wenn man sich nicht gut fühlt, macht man auch nichts daran. Zumindest habe ich den Lauf durchgezogen und hinten raus war er auch ganz ok.
Mit einer Zeit von insgesamt 1:20:15 bin ich so ziemlich knapp im ersten Drittel gelandet. Schöneres Wetter, trockene Bahn und ein früherer Start hätten vermutlich noch mehr gerockt. So bleibt es bei einer guten Erfahrung bei einem guten Veranstalter. Das anschließende warme Duschen war herrlich. Die Putzorgie von Fahrrad und anderen Utensilien leider nicht. Mittlerweile ist alles wieder trocken, aber die Lust am folgenden Tag im Regen zu trainieren war bei 0.
Blogbeitrag
01 Jun 2010
I‘m biking in the rain, just ruuuuuning in the…
Geschrieben von Simon um 18:36 Uhr
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