Schon seit einiger Zeit (ich vermute vier Jahre) habe ich ein Rennrad. Bisher habe ich es anfangs sporadisch genutzt, um dann nach Köln zu ziehen und es auf schlechten Radwegen vollkommen zu vergessen. Letztes Jahr habe ich dann mein normales Rad aus Alsdorf nach Köln geholt und gemerkt, wie genial es sein kann, sich frei – also ohne KVB – von A nach B zu begeben. So fristete mein Rennrad aber trotzdem ein trauriges Leben im Keller, da ich damit nur von A nach B fahren kann, um dann auf direktem Wege wieder nach A zurückzukehren. In der Stadt stehen lassen – unmöglich. Ein Rennrad ist für Sport und nicht für die Stadt geeignet. Es schreit nach Landstraßen oder perfekten Radwegen ohne Fußgänger. Im Rahmen meiner Idee zum Triathlon spielt natürlich auch das Radfahren eine große Rolle. Ich habe zwar ein paar Klamotten für das Rennrad, aber diese fangen bei 10° ohne Regen an. Deswegen war bisher an Training nicht zu denken. Also freute ich mich auf die ersten Ausfahrten mit dem Rad.
Nach bisherigen zwei Touren stand dann auch fest, es macht wieder richtig Spaß. Geschwindigkeit ist mein Element, was auf dem Rennrad noch mehr als beim Laufen zum Vorschein kommt. Mein Körper muss sich noch dran gewöhnen, das betrifft einerseits die direkten Muskelgruppen in den Beinen (ja es sind ganz andere als beim Laufen) und andererseits sekundäre Bereiche, wie der Rücken, der sich an die Fahrtweise gewöhnen muss. Da ich mein Rennrad bisher nur oder noch weniger als Hobby betrieben habe, scheute ich große Investitionen. Nein, ich habe kein Karbon-Super-Duper-Lightweight-Gerät im Keller stehen, sondern das damals billigste Rad mit Shimano 105er Teilen. Wie ich gesehen habe, ist der Preis für die Gruppe beim billigsten Rad um 300€ gestiegen. Entweder hat sich die Gruppe in den letzten Jahren entscheidend verbessert oder ich hatte extremes Glück. Von vielen Anbauteilen also ein brauchbares Rad, welches aufgrund des ansonsten sehr günstigen Preises nicht zu den Leichtesten gehört. Andere Kosten ließ ich zuerst aus. Bei einem Teil ein großes Nachteil, wie ich gestern Abend feststellen durfte.
Es fehlten mir Rennrad-Schuhe mit Clickies. Bisher habe ich ein paar Sportschuhe genutzt, um auf Doppelpedalen (normale Seite und Klick-Seite) zu fahren. Das geht, kein Zweifel, ein Großteil alles Radfahrer ist ohne Clickies unterwegs, aber es macht einen verdammten Unterschied aus. Was sind Clickies? Es gibt mehrere Pedalsysteme, die eine feste Bindung mit dem Schuh herstellen. Ich habe bisher SPD, weil diese damals am Rad waren, bzw. ich mir ergänzend die Doppelpedale ohne Ahnung hinzu gekauft habe. Im Mountainbike-Bereich sind SPD Systeme immer noch am meisten vertreten. Am Rennrad gibt es mittlerweile meistens SPD-SL aus diesem System, wobei andere Hersteller neben Shimano, Lock oder sonstige Namen haben.
Es gibt also einmal das Pedal, welches auf ein System festgelegt ist, mehrere Systeme werden hier nicht parallel unterstützt. Das ist bei Schuhen anders. Schuhe haben oft mehrere Bohrungen, aber es kann auch sein, dass ein Schuh nur ein System unterstützt. Ich habe mir die Triathlonschuhe Shimano SH-TR31 geholt, die SPD und SPD-SL von den Bohrungen unterstützen. Richtig, von den Bohrungen, denn der Schuh hat unten nur Löcher drin. Um die Systeme möglichst austauschbar untereinander zu machen, gibt es Cleats. Cleats werden im Schuh verschraubt und bilden somit das Gegenstück des Pedalsystems. Für ein SPD-Pedal, braucht man SPD Cleats, die aber normalerweise mit dem Pedal mitgeliefert werden. Dann braucht man noch den Schuh, mit den richtigen Bohrungen für die Cleats, wobei diese darin verschraubt werden. Sobald man die SPD-Cleats unter den Rennradschuhen hat, kann man damit eigentlich kaum noch gehen. Die Metallteile stehen 5mm vorne unter dem Fußballen und sind etwas wie reverse High-Heals. Macht ein tolles Geräusch beim Gehen und auf Treppen halte ich mich lieber noch fest. Am besten lässt man sich nicht damit beobachten. Donnerstag waren die Schuhe da und ich montierte zuerst die Cleats. Erst richtig rum, dann gedacht es wäre falsch, dann wieder andersrum. Dank Multitool konnte ich den Schrauben zu Leibe rücken. Fertig montiert ging ich dann erst mal joggen. Nein, nicht mit diesen Schuhen, aber der innere Trainingsplan sah heute eben einen langen Lauf zum Rhein vor.
Zurück vom Joggen ging es dann zur Anprobe. Wie Anprobe? Mein Rad stand im Keller und ich wollte das Einklicken üben. Gar nicht so einfach die Stelle zu finden, wo der Cleat unter dem Schuh sitzt und in die passende Stelle im Pedal gedrückt werden muss. Man sieht es eben nicht sondern tritt mit dem Schuh auf gut Glück auf dem Pedal rum. Klick und drin, das war die linke Seite. Fehlt nur noch die rechte Seite, wobei man im Stand nicht so einfach in beide Pedale kann. Warum nicht? Weil die Füße dann fest an die Pedale gefesselt sind – Rad-Sado-Maso. Also irgendwo festhalten und noch mit dem rechten Schuh ins Pedal einklicken. Genauso wichtig wie das Einsteigen, ist das Rauskommen. Leider gibt es sowas wie Ampeln, Abbieger, Fußgänger weswegen man Anhalten muss. Beim Anhalten muss aber ein Fuß wieder auf den Boden kommen. Also raus aus der Bindung. Das geht indem man den Fuß seitlich bewegt, wobei sich die Bindung öffnet. Die Bewegung ist anfangs gar nicht so einfach und man darf es beim späteren Fahren nicht vergessen. Da es draußen dunkel war, konnte ich nur im Stand üben. Wie ich einen Tag später feststellte ein Nachteil, denn beim Fahren fühlt es sich einfacher an als im Stand. Nur das Einsteigen nach dem Anhalten ist schwierig. Mit dem festen Fuß lostreten, um genügend Geschwindigkeit zum Rollen zu haben. Dann den zweiten Fuß aufsetzen und noch die richtige Seite auf dem Doppelpedal finden. Jetzt noch die Stelle mit dem Cleat treffen (fühlen tut man da leider nichts) und dann Klick. Sobald es klickt eröffnet sich ein neues Fahrgefühl. Ich kann nunmehr nicht mehr nur nach unten treten, sondern auch beim Hochziehen Kraft ausüben. Bringt das was? Und ob, da liegen Welten zwischen. Zwar habe ich noch keinen runden Tritt, der das richtig ausnutzt, aber man merkt, wieviel Kraft plötzlich auf das Pedal ausgeübt werden kann. Kein Vergleich zum reinen Treten. Wenn Rennrad, dann auch direkt Rennradschuhe muss es heißen. Hätte mir der Verkäufer damals auch ruhig sagen können. Naja, billig gekauft und natürlich ohne viel Beratung. Beim Fahren auch immer brav auf Aussteigen geachtet, bevor ich vor der Ampel gehalten habe. Allerdings habe ich keinen Bericht gefunden, bei dem das jemand immer geschafft hat. Jeder berichtet, wie er zumindest ein paar Mal vor der Ampel am Boden lag. Gestern ging es gut und ich hoffe das bleibt auch so – dreimal auf die Pedale klopf.
Die Schuhe sind übrigens auch eine Schönheit. Zuerst wollte ich mir Rennradschuhe holen, aber in theoretischer Vorbereitung las ich von Triathlonschuhen. Von der Passform her identisch habe diese ein paar Features, die praktisch sind. Das Radfahren liegt im Triathlon nach dem Schwimmen und vor dem Laufen. Man kommt also nass aus dem Wasser und muss sich möglichst schnell auf das Rad schwingen. Mit nassen Füßen ist es also gut, wenn diese die Möglichkeit haben zu trocknen. Dafür sind die Schuhe recht luftdurchlässig und haben im vorderen Bereich ein Loch, aus dem Wasser ablaufen kann. Da man normalerweise keine Socken trägt, muss auch der Schuh entsprechend angenehm und ohne reibenden Nähte gefertigt sein. Eine Schlaufe am hinteren Ende, wie auf dem Bild ersichtlich hilft beim Einsteigen in den Schuh, der damit auch direkt auf den Pedalen befestigt sein kann (Gummiband hält den Schuh in Position). Durch eine zentrale Schließeinheit über Klettverschluss ist ein schnelles Anziehen möglich und auch eine Nachjustierung ist noch im Rennen möglich, schließlich muss es nach dem Wechsel möglichst schnell gehen.
Der Schuh war der einzig Bezahlbare unter den Triathlonschuhen. Insgesamt ist das Angebot rar und auch im Internet findet man eigentlich nichts. Umso erfreuter war ich, als der Schuh im Büro ankam, da vorher noch die Lieferzeit als unbekannt verkündet worden war. Ohne Anprobe passt der Schuh auch in der bestellten Größe perfekt, wobei ich mich frage, warum das mit den Schuhgrößen so kompliziert sein muss. Überall liest man, dass man die Schuhe eine Nummer größer bestellen soll. Aber eine Nummer größer als was? Ich trage so 43/44 in Sneakers, Laufschuhen, … und mit Größe 44 passen die TR31 super. Barfuß bin ich noch nicht gefahren und justieren werde ich wohl auch noch mal müssen, obwohl es schon recht rund lief.






