Das Wetter verhieß nichts gutes. Im Februar mit den langen Läufen gestartet, war es alles andere als warm. Auf Glatteis und dick angezogen wurden die ersten Grundlagen für den Marathon gesetzt. Eigentlich wäre ich ja im Frühjahr keinen Marathon gelaufen, aber meine Laufpartnerin die mich zum Bonner Halbmarathon motivierte fiel aus und Stimmen im Verein kamen auf, die den Marathon anpriesen. Es wäre ja auch ein echter Rückschritt gewesen, in Bonn wieder nur den Halbmarathon, wie im Jahr 2008 zu laufen. Vermutlich mehr als ironisch, aber so ein Marathon lockt schon.
Voraussetzung für den Marathon war ein reduziertes Training zu den bisherigen Starts, denn mit neuem Job und Triathlon im Hinterkopf, blieb keine Zeit für 6-9h Lauftraining. Nach dem ersten Training war ich recht schnell wieder auf längeren Distanzen unterwegs und nachdem im März alles gut lief, folgte dann auch die Anmeldung für den Bonn Marathon.
Der Wecker klingelt um 7 Uhr, aber bereits zuvor waren wir wach. Somit genügend Zeit für eine Dusche und ein geruhsames Packen der vorbereiteten Sachen. Leckere Honigtoasts wurden dann noch hineingezwungen (ich bin kein Frühstücker) und schon ging es ab zur Bahn. Früh genug in Bonn blieben noch 1 1/2h Zeit, somit konnte das Basislager noch im Büro aufgeschlagen werden, welches in 5min Distanz zum Start liegt. Die Zeit verflog dann auch recht schnell und auf dem Weg zum Ziel traf ich die anderen Starter aus dem Verein. Dank gemeinsamer Anreise und genügend Plausch im Startbereich blieb der Puls und die Aufregungen mehr als in Grenzen. Genügend Routine ist mittlerweile vorhanden.
Der Startschuss kam und ich hatte diesmal einen festen Zeitplan dabei. Meine neue persönliche Bestzeit auf 10km hätte eine Zielzeit von 3:10h bis 3:18h ausgegeben, aber ich weiß, dass ich das nicht auf die Straße bringe. Somit aber mal optimistisch auf 3:30h gesetzt, um zu schauen, wie es mir ab Kilometer 25 geht. Das Tempo war optimal und ich traf es pro Kilometer meist auf 3-8 Sekunden. Der Plan sah eine Halbmarathonzeit von 1:47h vor und ich bin um 1:46:58 diese Marke überlaufen. War eine interessante Erfahrung nach Zeitplan zu laufen, aber dieser sah zwei Steigerungen von jeweils 10 Sekunden vor, so dass mit 5:08min/Kilometer starte, aber mit 4:48min/Kilometer ins Ziel komme. Egal wie es lief, standen mir mit der Halbmarathonzeit aber alle Wünsche offen. Aufgrund reduziertem Training brauchte ich eine Zeit unter 4h um glücklich zu sein. Also ausreichend Pufferzeit, um hinternraus einzubrechen. Das hässliche an Bonn sind die zwei Runden, die Motivationstechnisch ein echtes Problem sind. Trotzdem konnte ich im Gegensatz zum letzten Jahr ein höheres Tempo auch noch hinter Kilometer 22 gehen. So ging es auf der rechten Rheinseite zur Verpflegungsstelle vor T-Mobile, wo ich noch schnell ein Gel nahm und mit zwei Bechern Wasser verspeiste. Zuviel für meinen Magen, denn dieser wollte plötzlich seine Ruhe und drückte mein Tempo. Schade, denn damit war die Zielzeit des Plans Geschichte. Aber egal. Im Vorjahr habe ich dort bereits 4 Kilometer an Krämpfen gelitten, welche immer noch im Hinterkopf schlummerten und einen ersten Blitz bereits bei Kilometer 25 durch die Wade jagte. Noch war aber alles ok und so ging es mit reduziertem Tempo zurück zur Kennedy-Brücke. Da sich wohl jeder vornimmt progressiv (erste Hälfte langsamer, als die Zweite) zu starten, es aber fast keiner macht, konnte ich trotzdem das Tempo meiner Umgebung halten und ein paar Plätze gut machen. Auch die Mütze mit Fahne (wer ihn gesehen hat, weiß was ich meine) konnte ich so einholen. Trotzdem nagte die Temperatur und Streckenlänge stärker an mir. Der Anstieg zur Brücke zerrte stark an den Muskeln. wobei ich bergauf schneller als die meisten in meinem Zeitfenster bin. Trotzdem konnte ich am Tempo nichts mehr machen und fühlte mich langsam. Ein Blick auf die Uhr zeigte aber immer noch eine Pace von 5:15min/Kilometer, was wesentlich schneller als meine bisherigen Marathons war, aber eben nicht den 4:48min/Kilometer entsprach, die im Zeitplan standen. Egal, ich war auf persönlicher Bestzeit unterwegs und jeder Kilometer, den ich dem Ziel näher kam, brachte mich dieser Leistung näher.
Am schlimmsten finde ich die Kilometer die man in Bonn an der Autobahn dreht. Die Zuschauerzahlen waren drastisch gesunken und waren nie so wirklich hoch, wenn man den Kölner Marathon gewöhnt ist. Da unten zieht sich jeder Kilometer aber wirklich in die Länge. Da haben die Streckenorganisatoren natürlich ein leichtes Spiel, aber unter einem Stadtmarathon verstehe ich eigentlich etwas anderes. So sieht man von Bonn eigentlich nur den Marktplatz und ansonsten viel Rhein. Die Wasserstellen sorgten für eine dringende Abkühlung und dienten als Erholung, denn mit viel Bechern ausgestattet, gönnte ich mir dort ein paar Gehmeter. So waren die nächsten Zwischenziele immer die Wasserstellen, wobei ich jedes Mal wieder in ein ordentliches Tempo kam und die Umlaufenden wieder einholte, die ähnlich litten wie ich.
Es kam wie es kommen musste und so machte die Wade so langsam ernst und kniff nicht nur, sondern machte bei Kilometer 38 am Posttower endgültig dicht. Der verfluchte Krampf war da, lies sich aber schnell wieder lösen. Mein Körper war dann auch so langsam am Limit und bei der kleinen Steigung danach merkte ich alle Beinmuskeln, konnte sie aber vor einem erneuten Krampf retten. Das Ziel war nah und davon konnte mich schon lange nichts mehr abbringen. Notfalls gehend, aber es lief noch. Die letzte Wasserstelle kam, an der die Bundeswehr die letzten Getränke reichte. Besser gesagt kommt noch eine Verpflegung 1km vor dem Ziel, aber das ist eher lachhaft, half aber in der Runde davor. Die Adenauerallee mit dem Büro meines vorherigen Arbeitgebers kommt näher und schon ist man fast in der City. Links rum, rechts rum und schon ist man auf Höhe der Universität. Leider ziehen sich die letzten Meter dann doch noch mal, gerade weil der Boden nicht mehr schön asphaltiert ist, sondern zum Teil aus Kopfsteinpflaster besteht (falls es nicht so ist, fühlt es sich zumindest so an). Ein Krampf beschäftigte mich seit Kilometer 41, aber er war noch laufbar. Endlich ist sie da, die Zielgerade. Ein Krampf am Oberschenkel lässt mich über die Zielgerade hüpfen. Aber das innere Biest, der Schweinehund ist wieder mal besiegt. Da, glücklich, aber vollkommen erschöpft, suche ich das Verpflegungsdorf nach einer Zeit von 3:42:04h auf. Zum Glück finde ich einen Sitzplatz, der mich die ersten Getränke verzehren lässt. Da sehe ich einen Mitstreiter aus dem Verein und mache den Fehler ihm zu folgen. Mein Körper ist aber noch nicht so weit und so bleibt es bei einer kurzen Unterhaltung, bei der ich die notwendigen Getränke und Lebensmittel sammle und mich auf den Treffpunkt vor dem Schwimmbad mache.
Dort angekommen merke ich, das weder sitzen noch stehen optimal ist. Die Massage scheint aber nicht überfüllt und so stelle ich mich dort an und eine angenehme Massage zu erhalten. Bis auf die Muskeln und die Erschöpfung ist alles super. Keine Blasen, keine Schmerzen, …
Die warme Dusche nach einer weiteren halben Stunde Erholung tat dann richtig gut, wobei mir trotz der enormen Außentemperaturen im Ziel nicht mehr warm war. Warum das Schwimmbad so leer war, zeigte dann auch der Sprung ins Wasser. Frierend mache ich mich schnell wieder auf den Weg zu den Duschen. Mein Körper vertrug die Kälte nicht mehr.
Das Leben war dann auch in den Körper zurück gekehrt und ein Blick auf die Uhr, lies uns schnell zum Bahnsteig gehen, um die Bahn nach Hause zu nehmen.