Für mich gibt es ähnlich wie im letzten Jahr zwei Saisonhighlights. Die Halbdistanz Ende der Saison in Köln und den Bonn Triathlon. Letztes Jahr erwischte ich den perfekten Tag und der Triathlon war einfach genial. Was lag also näher dies auch in diesem Jahr zu bestätigen.
Die Vorbereitungen im Frühjahr waren gut und auch meine letzten Zeiten auf 10km sahen verlockend aus. Leider ging es die Woche vor dem Wettkampf nach Indien, wobei dies genau in die Tapering-Phase fällt und eigentlich so noch passend wäre.
Bonn hat etwas besonderes: den Rhein und den Start von der Fähre. Schon am Vortag holte ich meine Startunterlagen ab, um auf der Mini-Triathlon-Messe noch etwas zu shoppen. Bei einem kleinen Sturm hingen wir dann an den Pavillions, damit diese nicht in den Rhein geweht wurden. Nachdem das überstanden war, ging es noch für einen kurzen Bummel nach Bonn hinein.
Der Triathlet sollte Frühaufsteher sein, zumindest klingelte mein Wecker um 5 Uhr am Sonntag. Zeit für die üblichen Rituale. Schon mal einen Großteil der Wettkampfkleidung inkl. Einteiler, Pulsgurt und Championchip anziehen. Der Neoprenanzug bleibt aber noch aus, auch wenn die Temperatur noch nicht wirklich warm war. Kurz nach 5.30 Uhr ging es dann ab zum Auto in dem das Triathlonrad schon positioniert war. Dann ab zum Vereinskollegen und dann in Fahrgemeinschaft ab nach Bonn. Wir waren bei den ersten und somit war parken gar kein Problem.
Beim Einchecken erst Verwirrung, wo denn das Rad abgestellt werden kann, da schon alles voll schien. Wir wurden dann zum zweiten Teil der Fahrradständer unter der Brücke verwiesen und waren dort die ersten, weswegen ich gerade auf mein Rad zulief und richtig Platz zum Umziehen hatte. Perfekt. Wenn nur alles so gut laufen sollte…
Die Zeit verstrich und in Bonn muss man noch den Bus zu den Fähren nehmen, die gleich um die Ecke zu meinem Büro in Niederdollendorf ablegen.
Den ersten Bus knapp verpasst, fanden wir dann alle einen Platz in den folgenden Bussen. Am Zielort dann erst einmal an den Dixies anstellen. Wichtig: So spät wie möglich und so früh wie geht, bevor man die Sachen abgibt. Barfuß im Dixieklo mit Einteiler oder noch schlimmer im Neo will man nun wirklich nicht. Die anderen 200 Personen verteilt auf die 10 Dixies natürlich auch nicht. Es zahlt sich also aus, nicht auf den letzten Drücker alles zu erledigen. So bleibt ausreichend Zeit für alles, ohne in Panik zu verfallen.
Die Zeit tickt und so langsam schäle ich mich in den Neo. Jetzt den Beutel mit Turnschuhen und den anderen Resten füllen und mich in den Startblock vor der Fähre sortieren. Dank meines Alters starte ich im ersten Startblock mit den goldenen Badekappen. Klingt toll, ist im Verlauf des Wettkampfs aber nicht so toll. Mehr dazu später.
Auf der Fähre steigt dann die Spannung an, wobei dieses Jahr noch eine Fahrt von 4km zurückgelegt wird. Im letzten Jahr ging das alles viel zu schnell. Dieses Jahr aber war es ok, sich noch einmal auf die Atmospäre einzustimmen.
Noch 20 Sekunden, die Laderampe fährt herunter und lässt uns in die Fluten des Rheins blicken. Start und ich stehe in 10-15 Reihe und tippel langsam nach vorne. Die erste Person stürzt auf der rutschigen Rampe. Also vorsichtig bis runter tasten und dann einen Sprung nach vorne ins Wasser machen. Neben mir scheinen Personen etwas im Strudel der Fähre zu hängen. Im letzten Jahr waren aufgrund der starken Strömung durch Hochwasser alle schnell weg. Ich komme aber gut vorbei und komme ins Kraulen. Am Anfang unter der ersten Brücke ganz rechts durch. Einige Male checke ich die Richtung, aber ich komme gut aus und bin unter der Brücke durch. Jetzt weiter nach links in die Mitte bis zur Begrenzung war mein Ziel. Trotzdem ich versuche mich weit raustreiben zu lassen, klappt dies nicht ganz und ich bleibe gefühlt sehr weit vom Ufer weg. Trotzdem sehe ich mit Mühe noch Schwimmer links neben mir. Mit Mühe, da ich nach rechts atme und somit der Blick nach links schwierig ist. Im letzten Jahr bin ich oft in einem Knäuel gelandet, und hatte immer Arme, Beine und Körper – neben, vor, hinter oder unter mir. Dieses Jahr läuft alles sehr entspannt und ich konzentriere mich sogar etwas auf die Technik. Schwimmen ist nicht meine Disziplin, aber es läuft gut. Einige Male versuche ich die Richtung zu korriegieren. Aber ich komme weder raus bis zur Mitte, noch schwimme ich zusehr in Richtung Ufer. Andere Schwimmer aus dem Verein berichten später, dass sie etwas näher in Richtung Ufer unterwegs waren und plötzlich mit den Armen Grundberührung hatten.
Am Horizont ist die Kennedybrücke zu sehen. Kurz danach folgt der Ausstieg, also schon mal gut anpeilen. Vorher kommt noch das chinesische Restaurant auf dem Boot, was ein guter Anhaltspunkt ist. Eine Schwimmerin zieht langsam an mir vorbei und ich versuche mich in den Wasserschatten zu hängen. Keine Chance wie zuvor bei anderen Schwimmern auch schon nicht. Klappt heute nicht, egal, das Ziel ist nah. Mittig schwimme ich durch den rechten Brückenbogen. Jetzt noch 2 Stege und dann liege ich fast schon quer im Rhein und schwimme zum Ausstieg. Mit richtig Tempo klappt das gut, aber ich hätte hier keinen weiteren Bogen schwimmen dürfen. Ich stehe zu früh auf und tippel über große Steine. Ich komme kaum vorwärts und verliere kaum das Gleichgewicht, da bekomme ich die erste Helferhand zu packen und gehe zwei Schritte vorwärts. Wieder ein großer Stein und ich kippe nach hinten. Hier fehlte mir eine helfende Hand. Also auf allen Vieren weiter und da kommt die nächste Hand. Jetzt über die stabile Aufführung hoch zum asphaltierten Uferbereich. Den Neoprenanzug vom Oberkörper streifen und den doch längeren Weg zum Fahrrad rennen. Dies war leicht zu finden und ich ziehe Helm, Brille und Startnummer an und strampel dabei den Neoprenanzug ab, der aber an den Knöcheln festhängt. Leider dauerte es etwas länger als gewünscht, aber dann renne ich mit dem Fahrrad zum Ausgang, wo ich mich auf das Rad schwingen will, an dem die Schuhe baumeln. Am Ausgang hat sich aber eine Dreierreihe gebildet, die gemütlich aufs Rad steigt. Ich komme mit einer Bremsung gerade so zwischen den Mitkämpfern durch und schwinge mich aufs Rad. Ich hantiere danach etwas zu lange mit den Radschuhen, bin dann aber unterwegs.
Der erste entschäfte Anstieg klappte im Training sehr gut. Heute irgendwie nicht und so brauche ich schon meinen vollen Einsatz, um mit der geplanten Übersetzung hoch zu fahren. Schon auf den ersten Kilometern werde ich von schnellen Radfahrern links liegen gelassen. Zwar überhole ich auch einige Fahrer, aber hier schlägt sich die Startgruppe bitter nieder. Richtig starke Starter sind mir hier weiter überlegen. Irgendwann hat sich meine Startgruppe sortiert, aber die gestaffelten Starts sorgen dafür, dass ich im weiteren Verlauf meist nur noch überholt werden, ich selber aber wenig Überholungen habe. Das zehrt an der Motivation.
Die ersten Rampen kommen und was bei den Trainingsfahrten locker hoch ging, ist heute ein wahrer Krampf. Am zweiten Anstieg verzweifel ich im kleinsten Gang des Triathlonrads fast. Ich verausgabe mich vollständig, aber davon kommt auf dem Asphalt nicht viel an. Die vielen Höhenmeter im Trainingslager, die Trainingsfahrten auf genau dieser Strecke. Heute ist alles anders. Ich kämpfe um jeden Höhenmeter. Andere auch, aber so langsam wird mir dies egal. Ich kämpfe nur noch mit mir selber und gegen das Gefühl hier gleich am Anstieg absteigen zu müssen, weil heute die Kraft nicht für die Übersetzung reicht. Ja, sie ist höher als auf einem normalen Rennrad, aber heute ist ein verdammter Wettkampf und die Trainingsfahrten waren so vielversprechend.
Ich stelle mich mental auf die letzten Anstiege der Radrunde ein und weiß jetzt bereits, wie viel Zeit ich hier liegen gelassen habe, die ich dieses Jahr gewinnen wollte. Die letzten Anstiege schmerzen mental dann nicht mehr so sehr, da es nur noch um das Hochfahren geht. Das klappt dann auch wieder, aber auch nicht gut. Egal, Qualen überwunden und die letzten Kilometer nur noch bergab in die Wechselzone zum Rhein runter.
Aus den Radschuhen raus, vom Rad runter und dann laufend das Rad auf die Stange gewuchtet. Da ich Sockenläufer bin, kurz auf den Po setzen und Socken und Schuhe anziehen. Mit Uhr und Engeriegel in der Hand renne ich zum Ausgang.
Auf der Laufstrecke schaue ich auf die Uhr und werde auch so gleich von der Spitze in einem ernormen Tempo überholt. Egal jetzt in den Tritt kommen und …
… der Körper scheint in sich zusammen zu fallen. Nichts geht mehr, nicht aus Energiemangel sondern es fühlt sich alles schlecht an. Egal Tempo raus und weiterlaufen. Es fühlt sich plötzlich unglaublich hart an. Ich laufe nur noch mit einer Pace von 5,30min/km, wo ich zu diesem Zeitpunkt 1min/km schneller unterwegs sein wollte. Ich muss mich zwingen weiter im Laufen zu bleiben und sehe plötzlich das 1km Schild. 1km der sich so besch… anfühlt. Gibt es doch gar nicht. Es bleiben 14 weitere Kilometer und zweifel an dem Ausgang des Wettkampfs. Es geht leicht bergab und danach das Stück berghoch. Vielleicht 5 Höhenmeter auf 15 Meter, aber plötzlich fühlen sich meine vorderen Oberschenkel an, als ob sie jeden Moment in einen Krampf verfallen. Mein Tempo sinkt weiter und ich hoffe zumindest laufend bis zur 5km Marke zu kommen. Bei jedem Laufwettkampf wäre ich jetzt ausgestiegen. Mein Tempo fällt vermutlich noch weiter, aber ich traue mich nicht auf die Garmin zu schauen. Vor zwei Wochen bin ich noch 10km in unter 42min gelaufen. Welten entfernt, von dem was heute möglich ist. Bei Kilometer 3 kommt die Verpflegungsstelle und ich greife zu Gel und Wasser, ohne dass die Leistung damit zusammenhängt. Ich bin heute schlapp und kraftlos und nicht ohne Energie. Zumindest bringt einen die Verpflegungsstelle für die nächsten Meter auf bessere Gedanken. Ich laufe noch immer und erreiche wieder den Zielbereich, an dem der Wendepunkt ist. Noch 10 Kilometer. 10 verdammte Kilometer. Es ist verdammt hart und im letzten Jahr bin ich hier mit bester Laune locker eine Pace von 4,30min/km gelaufen. Massen an Läufern ziehen vorbei, aber ich trotte mein Tempo vor mich hin. Nicht stehenbleiben, immer nach vorne, dann könnte ich es bis zur 10 Kilometer-Marke schaffen. Die Gute Nachricht: es wurde nicht schlimmer, es blieb gleich schlimm. Ich kam mit dem Tempo gut zurecht, aber ein Blick auf die Uhr zeigte trotzdem hohe Pulswerte. Wieder Verpflegungsstation bei Kilometer 8, wieder Wasser bei Kilometer 10 und ich laufe noch. Gequält, aber ich laufe. Jetzt nur noch 4km. Ich überhole ein paar Läufer und Läuferinnen, die anfangs langsam an mir vorbei zogen. Zumindest blieb mein Tempo auf die Dauer konstant und wurde teilweise sogar leicht gesteigert. Hier kommt einem zu Gute, wenn man auch mal einen schlechten Tag im Training nutzt und weiß, wie es sich anfühlt, wenn es nicht rund läuft. Noch 3km und so langsam wünsche ich mir das Ziel herbei. Noch 2km und ich merke, wie ich in 200m Abschnitten auf die Laufuhr starre. Ich sehe die Menschenmasse des Zielbereichs, laufe die S-Kurve und werde noch von zwei Läufern überholt. Ganz egal, hier das war nur noch mein Rennen gegen mich. Ich bin im Ziel. Traurig, weil es nicht lief. Normalerweise macht ein Wettkampf Spaß. Auch wenn er hart ist, mache ich es aus Spaß an der Freude. Heute ist da nichts von dem. Erschöpfung. Jetzt einen Platz zu sitzen. Den gibt es aber nicht, also kurz über ein Geländer gebäugt erholen. Dann zum Wasserstand und auf einem ausgelegten Teppich niederlassen.
Zahlen 2011:
- 3,8km Schwimmen: 00:40:48 (Platz 595)
- 60km Rad: 01:57:40 (Platz 390)
- 15km Laufen: 01:20:04 (Platz 608) !!!
- Gesamt: 04:04:24 (Platz 484 von 892)
Zum Vergleich das letzte Jahr (auf andere Strecke, aber die Plätze sagen einiges aus):
- 3,8km Schwimmen: 00:26:58 (Platz 488)
- 60km Rad: 01:49:50 (Platz 326 und da war ich noch nicht so fit auf dem Rad)
- 15km Laufen: 01:14:12 (315) !!!
- Gesamt: 03:38:21 (Platz 311 von 860)
Wie so eine Veranstaltung aussieht, findet ihr z.B. auf folgenden Bildern:
Selbst zwei Wochen später fühlt es sich nicht besser an. Aber der Blick geht jetzt nach vorne und ich freue mich auf den morgigen Wettkampf in Voerde.





