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17 Okt 2009

Schwimmen

Geschrieben von Simon um 18:14 Uhr

Seit Beginn des Jahres hatte ich die tolle Idee wieder mit dem Schwimmen anzufangen. Etwas Kraul lernen und das im Triathlon im Freiwasser zu nutzen. Hätte ich gewusst, wie viel Arbeit drin steckt, hätte ich es trotzdem gemacht. Sind die ersten Hürden überwunden, macht es Spaß an den Schwächen zu arbeiten. Ich glaube die gibt es bei jedem Schwimmer, so zumindest der Tenor, den man überall hört. Ein Läufer will schneller werden, ein Radfahrer mehr Watt aufs Pedal bringen, aber beim Schwimmen legt jeder viel Wert auf die richtige Technik (die dann natürlich auch wieder schneller machen soll).

Der Anfang alleine empfinde ich immer noch als gute Idee. Bis man Arme, Beine und Atmen nicht einigermaßen zusammen bekommt, fühlt man sich einfach mies. Das neben der Gruppe ist verdammt deprimierend. Davor ganz viel Theorie lesen und schauen, um nicht zu verkehrt zu starten. Klappt es so einigermaßen und will man Ziele erreichen, dann ab in einen Verein. Keine Sportart im Triathlon erfordert so viel Eigendisziplin und ist in der Gruppe einfacher durchzuziehen. Man wird die Außenbahn nutzen, verdammt langsam im Vergleich sein, aber sich zwingen immer mehr an das Pensum der guten Schwimmer heran zu kommen. Aber eines ist dabei ganz wichtig: Geduld. Im Regal steht ein Buch zum Marathon, was besagt, dass man das Ziel nach drei Monaten erreichen kann. Keine gute Idee wie ich finde, aber im Schwimmen dauert alles Wochen bis Monate. Mal eben den Zugweg ändern, mal eben die Eintauchphase der Hand ändern, mal eben links einatmen, mal eben Beinschlag lernen, mal eben die Körperspannung erhöhen, … Noch nirgendwo hatte ich so viele Baustellen, die sich erst mit und mit bessern. Aber das ist auch das Schöne – es geht nach vorne, aber die Spannung bleibt erhalten. Jede Bewegung erfordert Bahnen, Bahnen und Bahnen. Trainiert man für den Triathlon und will am Armzug arbeiten, so sollte man im Freiwasser am besten mit Neoprenanzug trainieren. Das hat mir einen riesigen Schub nach vorne gegeben, einerseits weil große Strecken möglich werden und weil die Wenden entfallen. Davor steht die Angst, dass es verdammt anstrengend ist, wenn man sich nicht alle 25m abstoßen kann, aber bei guter Wasserlage (dank Neo) kann man toll am Rhythmus arbeiten. Nichts fühlt sich schöner an, als mit niedriger Intensität die ersten Male das Gefühl des Gleitens zu haben. Nicht massiv paddeln, nicht nur rotieren, sondern Wasser greifen, gleiten und merken wie der eine Zug an den anderen ansetzt. Über den Winter soll es hier weiter gehen. Das größte Problem von Krämpfen beim Training in der Gruppe ist überwunden. Hier war ich die Streckung der Beine einfach nicht gewöhnt, aber das hat sich jetzt gelegt. Ich liege immer noch zu tief im Wasser, habe aber glaube ich die entscheidenden Tipps bekommen, wie ich mit dem richtigen Beinschlag an Höhe gewinne. Schön wäre es im Frühjahr in der Geschwindigkeit mit den anderen Schwimmern etwas mehr aufgeschlossen zu haben. Für das Freiwasser ist es leider zu kalt geworden und ich freue mich jetzt schon wieder auf die ersten Einheiten. Solange trauere ich jedem verpassten Schwimmtraining des TPSK nach und versuche neue Inspiration zu finden.

Folgend eine richtig gute Reportage von Arte mit tollen Aufnahmen von Michael Phelps. Zwar sehr auf seinen Delphinbeinschlag bezogen, aber im vierten und fünften Teil auch mit tollen Analysen zum Armzug.

Michael Phelps trainiert jeden Tag 16km Schwimmen. Ich glaube mit meinem Trainingspensum werde ich den Weltrekord nie schaffen.

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04 Okt 2009

Bericht vom Köln Marathon

Geschrieben von Simon um 17:45 Uhr

04.10.2009 – 04.10.2009 – 04.10.2009 – das Datum hing über mir wie eine schwarze Wolke. Noch vor zwei Monaten sah es super aus und die Vorbereitungen verliefen super, aber die letzten Wochen sank das Trainingspensum und eine Verletzung zwang mich erst zur Reduktion, dann zur totalen Pause für einige Tage. Gefühlt war die Saison auch zu lang, denn nach dem Bonn Marathon hatte ich mir keine wirkliche Auszeit gegönnt, sondern mit Halbmarathons und schon frühen langen Läufen die Kondition hochgehalten. Mit dem Triathlon war erst mal die Luft raus und ich hätte sie auch gerne rausgelassen, aber die Anmeldung für den 04.10.2009 stand ja. Außerdem hatte ich genügend Leuten erzählt, um auch innerlich keine Rückzieher zu machen. Es brachte nichts, durch die letzten Läufe gehangelt, um heute morgen vor dem Wecker, der für 8 Uhr gestellt war, aufzuwachen.

Die Lust war nach dem Trainingslauf von Donnerstag auf jeden Fall da und seit dem Trainingslauf von Sonntag stand fest, dass ich starten würde. Leider war der Start erst um 11.30 Uhr, was für mich alles andere als ideal ist. Normalerweise frühstücke ich nicht, sondern nehme mittags eine gute Mahlzeit zu mir. Da der Lauf dann auch nicht um 10 Uhr, sondern 1 1/2h später war, musste ich eine entsprechende Menge voressen. Nach dem dritten Toast ging gar nichts mehr und ich packte mir noch eins für das Umziehen vor Ort ein. Noch eine Banane in den Mund und eine in die Tasche und los gehts. Fast hätte ich meinen Eistee vergessen, den ich noch mit Salz anreicherte, um ihn richtig lecker zu machen. Aber Natrium sollte gegen die Krämpfe helfen.

Auf der Packliste standen also folgende Sachen:

  • Wettkampfschuhe (Leightweight Trainer Mizuno Wave Precision)
  • Laufsocken (Marathon von Runners Point)
  • Multifunktionshose kurz mit Taschen (nie wieder Hose ohne richtige Taschen)
  • Zerstochenes Wettkampfshirt von Adidas, was ich für fast alle Wettkämpfe nutze (immer schön mit Sicherheitsnadeln die Startnummer befestigen)
  • GPS-Pulsuhr Garmin Forerunner 305
  • mein Championchip, den ich gefühlt zum 20. Mal einsetze (an Knöchelband, somit kann er nicht auf den Fuß drücken)
  • meine Startnummer (natürlich am Shirt festgemacht, da mich das Nummernband über dem normalen T-Shirt schon mal wahnsinnig gemacht hat)
  • Getestete Laufunterhose (keinerlei Experimente zum Marathon)
  • 4x Gels
  • 3x 1g Salz (Tipp: liegt in Papiertütchen bei McDonalds und eignet sich super, um es vor der Verpflegungsstation in den Mund zu rieseln)
  • der Schlüssel und Geld für den Notfall oder Verpflegung davor oder danach
  • alter Pulli, zum Wärmen und Wegwerfen am Start

Weiter geht es zu den Utensilien, die nicht direkt am Lauf beteiligt waren und in der Tasche verschwanden:

  • Lange Jogginghose
  • Pulli (der für nach dem Lauf)
  • Jacke
  • Noch was zu essen und zu trinken
  • Duschzeug und Unterwäsche
  • KVB-Ticket

Es gibt nur einen Lauf im Jahr der besser ist, ansonsten ab in die Bahn und in 8min in Startnähe – perfekt. Ich hatte mir morgens gut Zeit genommen und war nicht überpünktlich angereist. Da ich eh nicht eine halbe Stunde vorher im Startblock sein wollte, um dann festzustellen, dass ich im letzten Jahr noch 45min auf den Start warten durfte, konnte ich mir also auch noch auf dem Messegelände Zeit nehmen. Draußen nieselte es etwas, weswegen die Wärme in der Halle sehr angenehm war. Der obere Bereich war freigegeben und hatte herrlich viel Platz zu bieten. Nach dem Ausziehen der langen Sachen also noch was essen und trinken und dann ab mit der Tasche zur Abgabe. Der Startblock war wie erwartet gut gefüllt, aber da ich mir heute keinen Stress machen wollte, kam es nicht darauf an, vorne zu stehen.

Startschuss und die Handbiker starteten los – nächster Startschuss und die erste Gruppe lief los – nächster Startschuss und die zweite Gruppe lief los – 15min später Startschuss und unsere Gruppe versetzte sich in Fahrt. Oft weiß man schon nach wenigen Metern, ob dies ein guter Tag zum Laufen war. Heute konnte ich es nicht sagen, wollte aber sehr verhalten starten, da die letzten beiden Marathonläufe hintenraus kläglich gescheitert sind. Mit einer Pace von 5:30min/km wollte ich die 10km Marke mit ca. 55min überschreiten. Dann je nachdem steigern, wenn es gut geht. Der Tross setzte sich also in Gang und den alten Pulli hatte ich bereits am Start hinter mir gelassen. Kurze Klamotten waren trotz 13° Starttemperatur die richtige Wahl und die Deutzer Brücke passierten wir, ohne dass wie im letzten Jahr der Nieselregen in die Ohren pfiff. Die ersten Kilometer gingen vorbei und es lief rund, aber nicht super. Leider werden die Getränkestände nicht 500m vorher angekündigt. Das ist in Bonn sehr praktisch, denn bis man sein Gel auf hat und runtergewürgt hat, vergehen schon mal ein paar Meter. Diesmal war es eh zu spät und der Getränkestand schon vor der Nase, also der Griff zum Wasser und danach zum Eistee. Bis Kilometer 10 merkte ich, wie die Energie schwand. Ich hatte sowas, trotz etlicher Toasts, befürchtet und hoffte auf das beste. Also Ausschau nach dem nächsten Getränkestand halten, der nach der Abbiegung vom Rhein irgendwann kam. Gel auf, Mund voll aber runter muss es. Noch ein paar Meter Platz, also Griff zum Salztütchen und ab in den Mund. Jetzt aber flott das Wasser hinterher und wenige Schritte gehen, bringen hier einen definitiven Flüssigkeitsgewinn, da man sich nicht nur 2/3 des Bechers übers T-Shirt kippt. Mit dem Becher Eistee in der Hand versuchte ich dann beim Laufen die Salzkörner in den Mundwinkeln hinunterzuspülen.

Mein Körper verhält sich an solchen Tagen eh immer anders und ist auch in Trainingsläufen nicht darauf vorzubereiten. Die Nervosität setzt bereits nach dem Aufstehen ein und ist kontraproduktiv für den restlichen Tag. Aber egal, erst ein Viertel vorbei und wir sind unterwegs. Beißen musste ich noch nicht, aber ich hatte Angst, dass mir einfach die Kräfte schwinden. Bei Kilometer 15 gab es Bananen, bei denen ich direkt mal Zugriff. Diese geben zwar erst nach einiger Zeit die Energie frei, aber besser als nichts zu sich zu nehmen. Die Kilometer danach waren etwas härter, wobei wir bei Kilometer 19 auf die Ringe trafen, die einen einfach umhauen. Stimmung, Rufe, Karnevalsmusik – man läuft wie durch einen Tunnel, um dann kurz danach in der Einöde zu versinken. So zumindest fühlt sich das Überschreiten der 21km an, wo zwar Leute am Straßenrand stehen, aber die Stimmung eher von betrachtenden Zuschauern geprägt ist. Meine Halbmarathonzeit war mit rund 1:55h nicht toll, aber zumindest sehr konstant und gab mir Hoffnung. Die Aachener Straße geht es dann wieder Richtung Innenstadt, wo später der Hansaring und Ebertplatz mit Stimmung auf einen wartet. Hier ging es mir erstaunlich gut für die Strecke und ich hatte mich etwas regeneriert. Das Tempo bestimmten die Beine, die beharrlich ihre 5:30min/km auf den Asphalt zauberten. Bis hierhin hatte ich die Strecke gut im Gedächtnis wobei im letzten Jahr genau die Passagen folgten, auf denen es mir richtig dreckig ging und an Laufen nur noch selten zu denken war. Das beflügelte mich genauso, wie die Erwartung der Vereinskollegen bei Kilometer 28. Da hatte sich wirklich ein riesiger Haufen des TPSK versammelt und mein Winken und drehen führte plötzlich unerwartet fast zu einem Krampf im Oberschenkel. Vorsichtig ging ich an die direkt folgende Getränkestelle, fummelte ein Salzpäckchen raus und griff zuerst zum Wasser und dann zum Eistee und einer Banane. Eine Anne mit Kamera in der Hand animierte mich dann doch direkt weiterzulaufen, was auch keine schlechte Wahl war, da es wie bisher weiter ging. Hoch in Richtung Dumont-Karree folgt der harte Teil der Strecke. Man ist bereits sehr mit sich beschäftigt und die Verletzung am Fuß pochte zumindest leicht ab Kilometer 24, jetzt nur noch Kilometer fressen und ab Richtung Deutz dreht es sich im Kopf. Leider verlies mich meine Streckenkenntnis und anstatt eine Wendung hinter dem Dumont-Karree zu machen, um wieder stadtwärts zu laufen, ging es links ab Richtung Nippes.

Uff, damit hatte ich ja gar nicht gerechnet, aber dann bestimmt wieder rechts und rechts und oben dann wieder zurück. Nein, es ging links, als kurz stadtwärts und aufwärts in Nippes, wo der Bär wirklich anfangs nicht tobte. Jetzt aber rechts auf die Venloerstraße, die wieder richtig Spaß machte. Zwar lange geradeaus, aber bekannt und mit toller Stimmung ging es fast in meine Richtung (Bilderstöckchen). Oben den Knick rechts und meine Füße waren noch immer gut unterwegs. Kein Einbruch und immer mehr Läufer waren gehend zu beobachten. Tolle Renneinteilung denke ich mir und verlasse mich weiterhin mehr auf das Gefühl, als auf die Pulsuhr. Oben müsste es dann aber rechts Richtung Stadt gehen – bitte. Nein, der Streckengott war nicht gnädig mit mir und schickte mich die Amsterdamer Straße erst noch ein Stück nach oben. Meine Uhr zeigte 32km und es war ein schönes Gefühl, jetzt eine Art Wendepunkt zu haben, dessen Ziel jetzt relativ zielstrebig nach Deutz geht. Nach der Getränkestelle merkte ich auch meine Kräfte etwas schwinden, aber konnte trotzdem weiter Meter gut machen. Die Gels hatte ich bereits aufgebraucht und der Müsliriegel sah echt verlockend aus. Sah, denn nach so vielen Kilometern will der Mund und Magen nicht mehr kauen und irgendwas runterschlucken. Flüssig geht noch, aber der Müsliriegel begleitete mich weitere drei Kilometer, ohne noch einen weiteren Happen im Mund zu haben. Hier sind die Gels klasse, denn das geht immer. Ist nicht toll, aber feste Nahrung will einfach nicht mehr. Am Ende der Amsterdamer Straße geht es noch kurz nach oben, um dann wieder auf die Riehler Straße zu münden. Dort standen diesmal schon weit entfernt jubelnd die Vereinskollegen und mein Mitjubeln verursachte eine harte Wade, die ganze 200m später zum Krampf führte. Neeeeeeein, das kenne ich schon aus Bonn, weiß aber auch, dass man sowas noch 19km ins Ziel bringen kann. Da waren aber bereits 35km vorbei und es waren nur noch 7km. Welch schöne Zahl geht es mir durch den Kopf, aber die sollte es noch in sich haben.

Der Krampf löste sich nach kurzem Dehnen an einem Baum, wobei eine besorgte Zuschauerin fragte, ob ich Wasser bräuchte. Nein, ist nur der Muskel, konnte ich fast grinsend antworten. Woran es diesmal lag, weiß ich nicht. Noch mehr Natrium? Noch mehr Training (würde auf jeden Fall gehen), besser Training hätte es wohl gebracht. Der Krampf war erstmal raus, aber ich wusste vom Bonn Marathon, dass es jetzt jeden Kilometer so weitergehen konnte. Mit hochgezogener Fußspitze konnte ich die Krämpfe herauszögern, erlag dann aber am Ebertplatz dem nächsten Krampf. Also Laternenpfahl her und dehnen. Jetzt die Ringe hoch und das möglichst gut. Der Krampf war leider noch nicht ganz raus, aber das Gehen beim Trinken hatte die Muskeln genügend gelockert. Also weiter durch die Unterführung beim Hansaring. Weitere Kilometer folgten und ich konnte sogar wieder zu Läufern aufschließen, die vor dem Krampf vor mir waren. Alles easy also und weiter gehts. Normalerweise wirkt Motivation richtig gut und so feierte ich dann das Lied von Mando Diao auf den Ringen, um bei der Laolawelle erneut einen Krampf zu bekommen. Durch die Menge und ab an den Laternenpfahl. Demnächst nehme ich Farbe mit und markiere mein Revier. Das hätte den Polizisten daneben aber bestimmt nicht gefallen.

Trotz dem Dehnen war der Krampf nicht raus, aber weiter Richtung Neumarkt. Diesmal gingen die Reste sogar beim Laufen raus, was mich sehr freute. Dort nochmal nachtanken und der Tacho sagte: 39km. Jetzt nur nicht schlapp machen und wieder ab ins Laufen. Von hier aus ist die Deutzer Brücke bestimmt nicht mehr fern. Ist sie auch nicht, aber der Streckengott konnte auch nicht zaubern und so musste noch 2,5km durch die Innenstadt herhalten. Durchlaufen – ich will durchlaufen, aber es ist hart. Mit gesenktem Kopf lief ich mit angezogenen linken Zehen über das Kopfsteinpflaster Richtung Heumarkt. Nur keine starken Krämpfe mehr. Die Zeit am Neumarkt sah richtig gut aus und sollte sich über die letzten Kilometer auf jeden Fall für unter 4h ausgehen. Was macht der dicke Mann da? Ach stimmt ja, Calli Callmund hat ja teilgenommen. Fragt sich nur bei welchem Wettkampf. Aber vielleicht war er auch schon durch und zog eine Ehrenrunde mit seinen Betreuern durch Köln. Wann hört nur dieses Kopfpflaster auf? Heumarkt – die Deutzer Brücke in Sicht sehe ich 50% der Läufer gehend in einem unrunden Gang. Da will ich hoch, laufend. Also ab geht’s. Oben angekommen freue ich mich über etliche krampffreie Kilometer und muss nur noch 700m ins Ziel. Beim Runterlaufen schlägt es dann zu. Au – der hintere Oberschenkel macht zu. Also die Leitplanke zum Dehnen. Nicht mehr viel Zeit verlieren und notfalls über die Linie humpeln. Aber der Spruch: die bekommst du nicht weggedrückt animiert mich zum Laufen. Wie lange 500m sein können ist unglaublich, aber ich laufe über die Linie.

Auf der Bühne sehe ich Marie (die meines Wissens die Siegerehrungen gemacht hat), die auch gleich zu mir in den Zielbereich kommt. Mir geht es erstaunlich gut, was sich aber ändert, als ich ins Verpflegungsdorf gehe. Meine Muskeln schmerzen und ich will einfach nur: Ruhe, was zu trinken und zu essen. So ganz sicher bin ich mir da aber auch nicht. Zu erschöpft, um das ganze Verpflegungsdorf zu erkunden, schnappe ich mir zwei Cola und Müsliriegel und mache mich auf den Weg zu meiner Tasche und warmen Sachen. Den Fehler hatte ich im letzten Jahr gemacht und wollte direkt die Bahn nehmen. Verschwitzt und bei 13° führt das aber zu Zähneklappern, auf das ich dieses Jahr verzichten wollte.

Mit Beutel in der Hand ziehe ich mich um und hoffe keine Probleme mit dem Anziehen zu haben. Um mich rum überall das gleiche Bild. Erschöpfte Läufer, die kaum eine Bordsteinkante hochkommen. In warmen Klamotten blicke ich auf die Uhr und sehe, dass mein Zug in 4min abfährt. Schaffe ich nicht, also Bank suchen und Muskeln weiter lockern.

In Bonn ging es mir danach rund eine Stunde komisch. Ich wusste dort nicht, ob es zum Guten kippt und ich fit aufstehe, oder lieber noch zwei weitere Stunden sitzen bleibe. Das war heute anders. Bis auf leichte Muskelschmerzen alles bestens. Noch nicht mal eine Blase hat sich an die Füße getraut. Es war hart, aber rückblickend gar nicht so hart. Bei Kilometer 17 rum hatte ich ernste Befürchtungen, aber konnte eigentlich das wahr machen, was ich vorher verkündet hatte.

Ich will den Köln Marathon genießen und durchlaufen.

Mit 3:52:43h ist mir dies geglückt. Im letzten Jahr war das Ziel das Ziel. In diesem Jahr war der Weg das Ziel. Mit meinen Halbmarathonzeiten komme ich rechnerisch bei rund 3:30h aus, aber wäre ich darauf gelaufen, hätte ich heute garantiert wieder verissen.

Und jetzt freue ich mich auf den Urlaub ab nächster Woche Donnerstag.

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