Der Tag startete früh um kurz vor sechs. Ich musste zwar erst um 10.30 Uhr an den Start, aber einerseits hatte ich noch die Startnummer meiner Laufpartnerin und andererseits wollte ich sie noch beim Start anfeuern. Also den gewohnten Weg zur Arbeit, um problemlos um 7.30 Uhr in Bonn anzukommen. Ich hatte mir am Vorabend bereits alles gepackt und konnte damit eine ganze Sporttasche füllen. Getränke, noch was zu essen, frische Kleidung für danach, alles für den Weg, angefangen über Startnummer, ChampionChip, iPod, Pflaster, Schuhe, …
Ich brachte meine Sachen erst mal ins Büro und kam dann noch pünktlich zum Start des Halb-Marathons an. Schönes Wetter begleitete die Läufer ab 8.30 Uhr und irgendwann hatte sich dann der gesamte Tross auf der Rheinbrücke eingefunden. Ein faszinierendes Bild für die Zuschauer. Der Halb-Marathon dreht eine Runde auf der rechten Rheinseite, kommt über die Brücke wieder zurück und dreht noch eine Runde auf der linken Rheinseite. Der Marathon macht das 2h später einfach doppelt, was ich nicht als so angenehm empfand.
Ich nahm noch die Rückkehr der Läufer am Rhein mit, feuerte meine Laufpartnerin an (die 4km später aufgrund einer Verletzung aussteigen musste) und machte mich dann im Büro fertig für den Lauf. Ich fühlte mich gut. Alles passte: Wetter, Kleidung, Trinken, Essen. Also los auf die 42, 195 Kilometer. Rüber auf die andere Rheinseite, wobei ich das Tempo erst mal langsamer anging. Ich hatte mir einen tollen Laufplan mit Zeiten ausgedruckt, aber bei großen Läufen ist die Nervosität so hoch, dass ich die Werte direkt um 15 Schläge gerissen habe. Mein Laufplan hatte ich somit eigentlich nach 5m erledigt. Blieben die Zeiten, wobei ich knapp über 5min lief. Die 10km Marke passierte ich auf der anderen Rheinseite um 51:45 und war somit so fix wie vorgesehen unterwegs. Ausgangspunkt waren die Halb-Marathon-Zeiten und eigentlich hatte ich ja auch viel trainiert. Alles lief gut, brav Wasser getrunken, mein Gel zu mir genommen und mich auf den Marathon gefreut, der eigentlich erst so richtig nach der halben Distanz anfängt. Alles lief bestens und bei den letzten Halb-Marathon-Läufen konnte ich mein Tempo super halten.
Es kam wie es kommen musste. Ein kleiner Einbruch holte mich direkt bei der Halb-Marathon-Distanz ein, wo ich mit 1:48h super unterwegs war. Gut davon getroffen musste ich etwas drosseln und schleppte mich über die Brücke. Die rechte Wade meldete sich zaghaft, hielt aber durch. Dafür schlug dann bei Kilometer 23 die linke Wade voll zu. Krampf. Na toll, noch 19km und erst mal an den Straßenrand und dehnen. Ob das wohl ein frühes Aus bedeutet? Ich lief wieder los und konnte ein Zweiergrüppchen erhaschen, welches mein Tief erstmal vergessen machte und ich hoffte auf keine weitere Problemen. Hoffte, denn 1,5km später der nächste Anflug eines Krampfes. Gleiches Spiel und wieder weiter. Eigentlich machte ich nichts anderes mehr, wobei ich heraus fand, dass kurze Gehpausen den Krampf auch wieder rausholen, aber nicht so viel Zeit kosten. So hoffte ich von Kilometer zu Kilometer nicht den nächsten Krampf zu haben. Die rechte Wade hielt wie Drei-Wetter-Taft, während ich locker auf 19 Dehn- und Laufpausen kam. Woran es lag, werde ich wohl noch analysieren müssen. Die Erschöpfung holte mich natürlich auch ein, wobei ich so oft Krampfpausen einlegte, dass ich damit nicht so viele Probleme wie in Köln hatte. Das Gefühl hintenraus war zwar ähnlich wie in Köln, aber der Puls war stabil und wenn ich lief, ging es ganz gut und schnell. Da ich so viel Zeit vorgelegt hatte, war mein 4h Traum immer noch machbar. Natürlich verlor ich unglaublich viel Zeit, aber es reichte. Mit 3:55h (genaue Zeit folgt noch) habe ich wenigstens das geschafft. Es war erstaunlich wie viele um mich rum die gleiche Taktik verwendeten. In dem Bereich gab es wenig, die sauber und locker ihr angepeiltes Tempo durchliefen.
Im Ziel war ich dann natürlich fertig. Auch nach 25min wußte ich noch nicht so genau, ob es sich gut oder schlecht anfühlt. Gehen ging, aber der Körper war im Ausnahmezustand ohne im wirklich kritischen Bereich zu sein. So verzog ich mich ins Büro und versuchte die Schuhe auszuziehen. Gar nicht so einfach die Balance zwischen Krämpfen im Oberschenkel und in der Wade abzuwägen. Irgendwann war ich dann auch umgezogen und erfrischt, womit 1h danach auch wieder Normalität Einzug erhielt. Ab zur Bahn und zurück nach Köln, wo ich jetzt noch eine Stretching-Einheit einlege, um morgen nicht allzu sehr leiden zu müssen.
Fazit
Gut:
- Sub 4h
- Schöne erste Hälfte
- Toller Lauf mit vielen Zuschauern
- Eigentlich mein Wetter (20° mit Sonnenschein)
Schlecht:
- Wade
- Ausdauer
- Schulstaffeln, die am Anfang manchmal gehend den Weg etwas blockierten
- War zu hart, um Lust auf einen weiteren Marathon im Frühling zu haben



